Chancen erkennen, statt Ist-Zustand verwalten

Über die unterschiedlichen Ansätze im Umgang mit Nebenwasserstraßen in Deutschland und in den Niederlanden sprach die Wassersport-Wirtschaft mit dem Präsidenten des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW), Robert Marx.


Über die unterschiedlichen Ansätze im Umgang mit Nebenwasserstraßen in Deutschland und in den Niederlanden sprach die Wassersport-Wirtschaft mit dem Präsidenten des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW), Robert Marx.

Wassersport-Wirtschaft: Herr Marx, die andauernde Diskussion über die Nebenwasserstraßen in Deutschland wird kontrovers geführt, wo sehen Sie die größten Unterschiede im Vergleich zum „holländischen Modell“?
Robert Marx: Wasserstraßen haben in Holland generell einen anderen Stellenwert, auch aufgrund der Vielzahl an Gewässern und den damit verbundenen Nutzungsmöglichkeiten. Die Holländer haben aus der Not eine Tugend gemacht und den Wert für die Nutzung der Wasserstraßen erkannt – auch oder sogar besonders für die touristische Nutzung der Wasserstraßen.

Wassersport-Wirtschaft: Und das ist bei uns anders?
Robert Marx: Ja, nehmen Sie die aktuelle Diskussion üer die zukünftige Nutzung der Nebenwasserstraßen als Beispiel. Man bewertet die derzeit stattfindende wassertouristische Nutzung, also den Ist-Zustand. Ist diese Nutzung gering, schließt man daraus, dass Investitionen in die Infrastruktur volkswirtschaftlich nicht zu rechtfertigen sind. Unsere niederländischen Nachbarn denken hier anders. Sie würden überlegen, welche Investitionen notwendig wären, um eine Wasserstraße so zu ertüchtigen, dass ein volkswirtschaftlicher Mehrwert entsteht. Das, was sein kann, steht im Fokus, nicht das was ist.

Wassersport-Wirtschaft: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“
Robert Marx: Wir sehen Ökonomie und Ökologie nicht als Gegensatz. Der Erfolg unserer Branche hängt davon ab, dass unsere Kunden ihrem Wassersport in einer intakten maritimen Umwelt nachgehen können. Das haben übrigens auch unsere holländischen Nachbarn erkannt. Wichtig ist uns, dass die geplanten Renaturierungsmaßnahmen nicht dazu führen, dass Gewässer komplett dicht gemacht werden. Die verkehrliche Durchgängigkeit muss auf allen Bundeswasserstraßen erhalten bleiben. Mit Einschränkungen aus guten Gründen können wir leben.