Die fetten Jahre sind vorbei
Die Jahre fetter Steigerungsraten im E-Commerce Bereich scheinen zunächst vorbei zu sein. Während der E-Commerce Umsatz mit Waren in Deutschland von 2012 auf 2013 noch um satte 41,7 Prozent zulegte, betrug die Steigerungsrate 2013/2014
lediglich noch 7,2 Prozent.
Überraschend ist diese Entwicklung nicht. Wie auch in anderen Bereichen, wird nach Jahren rasanten Wachstums ein Sättigungsgrad erreicht, der weiteren Steigerungen engere Grenzen setzt. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim E-Commerce Anteil am deutschen Einzelhandelsumsatz. Er blieb mit 11,1 Prozent in den Jahren 2013 und 2014 unverändert.
Dabei spielt auch das Alter der Online-Kunden eine Rolle. Jüngere Menschen sind eher geneigt, Produkte im Online- und Versandhandel zu kaufen. Die Unterschiede sind jedoch geringer als man vermuten könnte. Rund 44 Prozent der unter 40-Jährigen kaufen lieber im Online- oder Versandhandel. Bei den über 40-Jährigen sind es mit rund 38 Prozent kaum weniger. Das Kaufverhalten in den verschiedenen Altersgruppen nähert sich also immer mehr an. Besonders aktiv ist die mittlere Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren. Bereits 2012 gaben 36 Prozent der Befragten an, mehr als zwölfmal pro Jahr online eingekauft zu haben. Bei den über 50-Jährigen waren es immerhin noch 29 Prozent. Inzwischen beträgt der Anteil der Online-Käufer an der Bevölkerung knapp 73 Prozent.
Allzu viel Luft nach oben scheint also nicht mehr zu sein. Ein Großteil der Bevölkerung ist mittlerweile beim Online-Shopping aktiv. Allerdings bezieht sich deren überwiegendes Interesse auf bestimmte Produktgruppen. Mit weitem Abstand an der Spitze: Bekleidung. Dank Zalando & Co hat der Absatz an Bekleidungsartikeln in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Grundlage des Geschäftes ist allerdings die nach wie vor kostenfreie Rücknahme von Artikeln, zu der sich die führenden Online-Händler trotz inzwischen anderer gesetzlicher Gestaltungsmöglichkeiten verpflichten. Das erhöht die Kosten natürlich immens. Nach Verlusten in Höhe von insgesamt 261 Millionen Euro in den Jahren 2011 bis 2013 erwirtschaftete beispielsweise Zalando 2014 erstmals einen Gewinn in Höhe von 47,1 Millionen Euro. Bei einem Nettoumsatz von 2.214 Millionen Euro im Jahr 2014 beträgt die Umsatzrendite damit lediglich schlappe 2,1 Prozent. Es bleibt abzuwarten, ob die führenden Online-Händler die ausufernden Versandkosten auf
Dauer tragen können.

Was bedeutet das nun für den Wassersportmarkt? Keine Frage, der Online-Handel bleibt ein wichtiger Vertriebskanal, dem sich auch die maritime Wirtschaft nicht verschließen darf. Moderate Steigerungsraten sind auch in Zukunft zu erwarten. Kennzeichnend für den Wassersportmarkt ist jedoch ein ausgeprägter Beratungsbedarf, insbesondere dann, wenn Produkte in Boote eingebaut werden müssen. Dies gilt sicher nicht für ein GPS-Handgerät oder ähnliche Produkte, die die Ausstattung an Bord komplettieren. Wohl aber, um bei diesem Beispiel zu bleiben, für Navigationselektronik, die eingebaut und mit weiteren Informationsgebern in einem Bordnetz kommunizieren muss.
Im maritimen Bereich scheint daher eine Multi-Channel-Strategie das Mittel der Wahl zu sein. Sie trifft das Bedürfnis der Kunden, auf unterschiedlichen Wegen mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten, unabhängig von bestimmten Öffnungszeiten Informationen oder Waren anzufordern, bei Bedarf aber auch auf traditionellem Weg persönliche, zumindest aber eine qualifizierte telefonische Beratung in Anspruch zu nehmen. Das hat auch Zalando inzwischen nachvollzogen und Outlet-Center in Berlin und Frankfurt eröffnet. Es scheint, dass mancher Kunde auch Mode gerne anfassen möchte. Am Ende geht es doch nur darum, dem Kunden einen bequemen und sicheren Einkauf zu ermöglichen und ihm die richtigen Informationen zur Verfügung zu stellen hat.





