Die Mischung macht's

Langsam, aber kontinuierlich entwickelt sich das Angebot von Booten mit Hybridantrieben. Grund genug für die „Wassersport-Wirtschaft“, sich nach zwei Jahren erneut einen Überblick über das aktuelle Angebot in diesem Segment zu verschaffen. Ganz neu auf dem Markt sind unter anderem die mit parallelen Hybridantrieben ausgestatteten Modelle Bavaria E40 Hybrid und Greenline 36 Hybrid.


Langsam, aber kontinuierlich entwickelt sich das Angebot von Booten mit Hybridantrieben. Grund genug für die „Wassersport-Wirtschaft“, sich nach zwei Jahren erneut einen Überblick über das aktuelle Angebot in diesem Segment zu verschaffen. Ganz neu auf dem Markt sind unter anderem die mit parallelen Hybridantrieben ausgestatteten Modelle Bavaria E40 Hybrid und Greenline 36 Hybrid.

Bei Booten mit Hybridantrieben werden herkömmliche Verbrennungsmotoren mit Elektromotoren kombiniert. Auf Gewässern, die nur für Elektromotoren zugelassen sind, sind sie wegen ihres Verbrennungsmotorenanteils nicht erlaubt, doch auf allen anderen Gewässern sind sie eine zukunftsträchtige Alternative zu den etablierten Benzin- und Dieselmotoren. Bei einem seriellen Hybridantrieb hat der Elektromotor keinerlei mechanische Verbindung zur Antriebswelle. Meist treibt ein Verbrennungsmotor einen elektrischen Generator an, der die Fahrenergie bereitstellt oder den Fahrakku lädt. Bei kurzzeitig höherem Leistungsbedarf können die Akkus zusätzlichen Strom liefern. Beim parallelen Hybridantrieb wirken der oder die Elektromotor(en) gemeinsam mit dem Verbrennungsmotor auf den Antriebsstrang. In mindestens einem Betriebszustand sind die Kräfte oder Drehmomente der einzelnen Antriebe gleichzeitig verfügbar. Die hybride Technologie selbst ist nicht neu, sie kam bereits vor gut 100 Jahren auf U-Booten zur Anwendung. Im Freizeitbereich stellte die Mochi-Werft der italienischen Ferretti-Gruppe im Sommer 2008 die 23 Meter Long Range mit Hybridantrieb und einem speziellen, Trimaranähnlichen Rumpf vor. Als Vorreiter war man damals der Zeit voraus, der Markt für derartige Boote steckte noch in den Anfängen. Gebaut wurden nur fünf hybride Modelle, eines von ihnen fährt noch heute ein italienischer Motorradrennfahrer.

Bavaria E40 Hybrid

Fabio Marcellino, seinerzeit bei Mochi zuständiger Projektmanager für Hybride, betreute in den vergangenen 18 Monaten bei Bavaria Yachts in Giebelstadt in gleicher Funktion die Entwicklung des Verdränger-Motorbootes Bavaria E40 Hybrid. Diese Version mit parallelem Hybridmotor, Mitte Juni vorgestellt, ergänzt die E40-Familie, deren reine Ausführung mit Verbrennungsmotor bereits auf der boot 2016 im Januar präsentiert wurde. Mit einem Volvo Penta Dieselmotor, wahlweise vom Typ D2 (75 PS), D3 (220 PS) oder D4 (300 PS) zu haben und 9 bis 13 kn schnell, wurde die E40-Familie als Verdränger für Binnen- und ruhige Küstengewässer konzipiert. Mit zwei oder drei Schlafkabinen eignet sie sich auch gut für das Chartergeschäft.



Zwei Motoren, eine Welle. Der Diesel- und der E-Motor haben
ihren Platz unter dem Salon. (Grafik: Bavaria)

Fabio Marcellino spricht von einer Balance zwischen einem Segel- und einem Motorboot und bezeichnet den E-Motor der Hybridversion als sinnvolles Take-me-home-System, als Notmaschine, die das Boot elektrisch beim Ausfall der Hauptmaschine mit einer Geschwindigkeit von 5 kn (9,26 km/h) noch 1 ¼ Stunden oder gut 6 sm (11 km) weit bringt.

Der parallele Hybridantrieb, bei dem der Diesel- und der EMotor dieselbe Welle antreiben, benötigt zum Umschalten eine spezielle Kupplung. Da Volvo Penta die nur für den D3 anbietet, nicht aber für den D2 und D4, kam der italienische Hersteller Transfluid aus Gallarate bei Mailand ins Spiel. Der hatte bereits vor zwei Jahren für die 9 m lange Kite Alike der S.Giorgi di Colombi Werft das Modul HM 560 mit 20-kW-E-Motor geliefert und führt in seinem Programm derartige Systeme für Dieselmotoren bis 2.000 PS (beispielsweise für Lokomotiven) in Kombination mit Elektromotoren von 8 bis 300 kW. Für die Entwicklung des Moduls für den Bootsbereich gewann Transfluid u.a. ehemalige Mitarbeiter von VW Marine und ZF. Auf der Bavaria E4 Hybrid benötigt der E-Motor eine Betriebsspannung von 96 V. Die notwendige Energie liefern zwei in Edelstahlboxen untergebrachte, zusammen 230 kg schwere Batteriebänke mit insgesamt 30 Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus und einer Kapazität von 19,8 kWh. Die werden während der Dieselfahrt oder im Hafen über den Landanschluss geladen. Bei 2.000 U/min des Dieselmotors sind die Akkus von zehn Prozent Ladungszustand in 1 ½ Stunden auf 95 Prozent nachgeladen, bei 2.500 U/min in 1 ¼ Stunden. Über den Landanschluss sind es neun Stunden. Geladen werden können sie auch, wenn man den E-Motor als Generator nutzt, der in dem Modus dann 15 kW leistet.

Für ein photovoltaisches Wiederaufladen der Batterien aus Nutzung von Tageslicht und Sonnenschein per Solarzellen hat man sich bewusst nicht entschieden. Der Platz dafür reicht auf Booten üblicherweise lediglich, um Verbraucherbatterien für das Licht an Bord, den Betrieb von Radios oder Fernsehempfängern
nachzuladen.

Ein intelligentes Batterie-Management-System von Kaitech (Italien) sorgt beim Laden für eine sichere Überwachung und Abschaltung. Stellt das System fest, dass es beispielsweise mit einer Batterie Probleme gibt, wird diese sofort abgeschaltet, damit die anderen keinen Schaden nehmen. Dann hat man zwar insgesamt weniger Kapazität zur Verfügung, aber keine Störung beim gesamten System. Die Schaltung am Fahrstand steuerte Flexbull bei, ein weiteres italienisches Unternehmen. Mit nur einem Hebel und diversen Tasten werden beide Motoren bedient – entweder einzeln oder beide gemeinsam, wenn der E-Motor den Diesel als Booster unterstützen soll, beispielsweise bei starker Strömung. Das Display, das optisch der EDC-Anzeige für den Volvo Penta Dieselmotor angepasst ist, stammt wiederum von Transfluid.

Im reinen Elektrobetrieb ermittelte Fabio Marcellino bei 500U/min als Geschwindigkeit 2 kn, bei 1.000 U/min 4 kn, bei 1.200 U/min 5 kn und bei 1.500 U/min Maximum 6 kn. Die Fahrzeit wurde bei vollgeladenen Batterien und 5 kn bei ersten Fahrtests mit über 1 ½ Stunden gemessen. Die hybride Version
der Bavaria E40 gibt es zunächst mit D2- oder D3-Dieselmotoren von Volvo Penta ab 259.400 Euro.

Greenline 36‘

Seaways aus Slowenien wartete im Herbst 2009 mit der Greenline 33‘ auf, dem ersten Hybridmodell in der 10 m Klasse. Mittlerweile wurde die Modellpalette bis auf 70‘ erweitert, und seit dem finanziellen Aus der Werft will in diesen Tagen mit SVP-Yachts ein russischer Investor in Begunje (Slowenien) den Bau der Greenlines fortsetzen, mit Solarpaneelen auf dem Dach für zusätzliche Energiegewinnung. Zugleich stellt er mit einem 36-Fuß-Typ eine aktuelle Neuentwicklung vor. „Bei dem soll ein 220 PS starker Volvo Penta D3-Diesel die Funktion des Verbrennungsmotors, ein bis zu 10 kW leistender Mahle-Generator, die des elektrischen Antriebs übernehmen, in der reinen Dieselversion werden auch Yanmar-Motoren angeboten“, so Marcel Ranke vom Greenline-Händler Allert-Marin. Bei früheren Greenlines kamen VW-Motoren zum Einsatz. Das Batteriemanagement soll für mehr Sicherheit beim Laden der Lithium-Polymer-Akkus optimiert worden sein und das Ladegerät bei Überladung automatisch abschalten.