Gegenseitige Anerkennung von Skipperqualifikationen fördern - TCC-SCV Projekt
Über 1.400 Luxusyachten über 20 m Bootslänge mit Skipper und Crew bieten allein die unter dem Dach der Worldwide Yachting Association - MYBA zusammengeschlossenen Unternehmen weltweit zur Vercharterung an. Ein großer Teil davon im Mittelmeer. Tendenz steigend.
Entsprechend groß ist der Bedarf an qualifizierten Skippern. Das wird zunehmend zu einem Problem. Denn die vorgeschriebene Qualifikation der Schiffsführer richtet sich nach den Gesetzen des Flaggenstaates. Eine deutsche Qualifikation, beispielsweise der Seesportschifferschein für küstennahe Seegewässer, würde auf einer britischen Yacht nicht anerkannt werden – und umgekehrt. Das schränkt den Wirkungskreis der Skipper in diesem internationalen Markt erheblich ein, führt zu personellen Engpässen und behindert die Entwicklung dieses prosperierenden Branchensegmentes. In einem Forschungsprojekt soll nun die Grundlagen für zukünftige Lösungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Worum geht es. Die Ausbildungsinhalte der verschiedenen nationalen Qualifikationen für kommerziell genutzte Yachten (Small Commercial Vessels) sind durchaus unterschiedlich. Beispielsweise zwischen Deutschland und Großbritannien. Sportseeschifferschein und Yachtmaster Offshore Commercial sind zwar ähnlich, unterscheiden sich jedoch sowohl im theoretischen als auch im praktischen Ausbildungsumfang. Gleiches gilt für die entsprechend vorgeschriebenen Zertifikate in Spanien, Italien, Frankreich und anderen Ländern. Das verhindert eine gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen. Auch mögliche Zusatzschulungen und Anpassungsprüfungen sind bisher nicht möglich, da Unklarheit über die Schnittmenge gleicher Ausbildungsinhalte herrscht. Ein untragbarer Zustand, denn im Ergebnis führt er dazu, dass entweder nur Yachten eines Flaggenstaates geführt werden können oder gleich mehrere Qualifikationen unterschiedlicher Staaten erworben werden müssen.
Das im November dieses Jahres gestartete und von der EU über das Förderprogramm Erasmus+ geförderte Forschungsprojekt „TCC-SCV – TRECVET Core Curriculum for Skippers of Small Commercial Vessels“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die theoretischen und praktischen Ausbildungsinhalte verschiedener EU-Mitgliedsstaaten im Detail zu analysieren und über ein Datenbankprogramm (Comparison Tool) vergleichbar zu machen.
Auf diese Weise können beispielsweise die in den Mitgliedsstaaten zuständigen Behörden den Ausbildungsumfang der jeweiligen nationalen Qualifikationen miteinander vergleichen und Schnittmengen gleicher Inhalte identifizieren. Auf der Grundlage dieser Informationen sind dann auf nationalstaatlicher Ebene mehrere Konsequenzen vorstellbar. Entweder die vollständige gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen bei gleichen oder sehr ähnlichen Anforderungen, eine eingeschränkte Anerkennung von Zeugnissen (z.B. Anpassung der zulässigen Fahrtgebiete) oder auch das Angebot von Zusatzschulungen und Anpassungsprüfungen.
Das Forschungsprojekt führt damit ein Vorläuferprojekt fort, indem die Qualifikationen in Deutschland „Sportseeschifferschein (SSS)“, in Spanien „Patrón Profesional de Embarcación de Recreo (PPER)“ und in U.K. „Yachtmaster Offshore Commercial“ bereits analysiert und verglichen wurden. Im neuen Projekt werden nun die Qualifikationen Frankreichs, Kroatiens und Sloweniens ergänzt, die Analyse- und Vergleichsmethoden weiter verfeinert und ein „Core Curriculum“ entwickelt, das Ländern ohne vergleichbare Qualifikationen als Grundlage dienen kann. Das Projekt ist auf 2 Jahre angelegt.
Projektkoordinator ist Sea Teach S.L., ein auf Mallorca ansässiges Ausbildungsunternehmen. Der Bundesverband Wassersportwirtschaft ist einer von mehreren internationalen Projektpartnern, der im Rahmen des Projektes auch auf das Know-how des ADAC sowie weiterer Ausbildungsexperten zurückgreift.
Informationen zum Vorläuferprojekt unter <link http: www.trecvet.eu external-link-new-window externen link in neuem>
www.trecvet.eu.





