Stabile Nachfrage sorgt für gute Stimmung
Nach einer schwierigen Saison 2013, deren Geschäftsverlauf durch die Wetterlage zu Beginn der Saison erheblich beeinträchtigt wurde, war die Branche mit Schwung in die Saison 2014 gestartet. Auf der boot Düsseldorf 2014, dem wichtigsten Marktplatz für maritime Güter und Dienstleistungen, war dementsprechend ein deutlich gestiegenes Kaufinteresse spürbar. Nach dem geschäftlichen Erfolg befragt, waren 78% der ausstellenden Unternehmen zufrieden oder sehr zufrieden. Das ist der beste Wert seit 10 Jahren und unterstreicht eindrucksvoll das hohe Qualitätsniveau der Veranstaltung, spricht aber auch für einen fester werdenden Markt.
Dieser positive Trend hat sich während der Saison 2014 fortgesetzt, auch wenn im 2. Quartal die Verkäufe im Boots- und Ausrüstungsbereich etwas hinter den Erwartungen zurückblieben. Insgesamt rechnet die Branche für das Jahr 2014 mit einem Gesamtumsatz an maritimen Gütern und Dienstleistungen von rund 1,8 Mrd. Euro (+3%). Die Umsätze im Megayachtbereich sind darin nicht enthalten.
Die deutschen Bootshersteller haben ihre Produktion im Geschäftsjahr 2013/2014 auf ca. 1.700 Segel- und Motoryachten (+10%) steigern und dank innovativer Produkte und einem guten Preis-/Leistungsverhältnis im In- und Ausland Marktanteile hinzugewinnen können. Neue Modelle sowie sehr preisgünstige Einstiegsversionen erleichtern das Neubootgeschäft und sorgten für die notwendigen Impulse am Markt.
Dies zeigt sich besonders im Segelbootbereich. Während ausländische Hersteller im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf dem deutschen Segelbootmarkt deutliche Einbußen hinnehmen mussten (Import: -57,6% Stückzahl, -8,8% Wert) konnten die deutschen Hersteller ihre Stellung auf dem heimischen Markt weiter ausbauen.
Das gilt auch für den Export. Hier hat die deutsche Segelbootsindustrie im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wertmäßig um 14,5% und nach Stückzahlen um 6,3% zulegen können. Besonders im Trend liegen größere Segel- und Motoryachten über 12 m Länge, wobei ein deutlich zunehmendes Interesse an sehr großen Serienyachten jenseits der 14 m Grenze besteht.
Die anhaltend stabile Nachfrage auf dem deutschen Markt wird vom Handel bestätigt. Nach einer Konjunkturumfrage des Verbandes zur Jahresmitte beurteilen 67,6% (Vorjahr: 50%) der Segelboothändler die Geschäftslage gleich gut oder besser als im Vorjahr. Im Motorbootsegment bewerten sogar 71,4% (Vorjahr: 55,3%) die Geschäftslage positiv.
Mit dazu beigetragen hat die neue Führerscheinfreigrenze von 15 PS. Schlauchboote sowie kleinere offene Sportboote profitieren besonders von dieser Regelung und erfreuen sich zunehmender Nachfrage. Insgesamt hat im ersten Halbjahr 2014 der Absatz von Außenbordmotoren erneut um 6% zugelegt und befindet sich seit Einführung dieser Regelung im Herbst 2012 kontinuierlich auf Wachstumskurs. Die Branche unterstützt die verbesserten Einstiegsmöglichkeiten in den Bootssport durch regionale Bootsevents, bei denen Neueinsteiger kostenlos Boote im führerscheinfreien Bereich ausprobieren können. Die Einsteigerwebsite <link http: www.entdecke-wassersport.de>www.entdecke-wassersport.de informiert begleitend über alle wichtigen Aspekte des Bootssports und verweist auf Unternehmen, die während der gesamten Saison kostenlose Probefahrten oder führerscheinfreie Vermietboote anbieten.
Gebrauchtboote
Die in den letzten Jahren deutlich gesunkenen Gebrauchtbootpreise erschweren das Neubootgeschäft. Mancher Neubootkauf scheitert daran, dass die Differenz zwischen dem erzielbaren Gebrauchtbootpreis und dem Neupreis einer Yacht unerwartet groß ausfällt. Andererseits sorgen niedrige Gebrauchtbootpreise aber auch für frischen Wind in diesem Segment. Gut ausgestattete und gepflegte Gebrauchte finden derzeit schnell einen neuen Besitzer. Das sorgt für Zufriedenheit im Gebrauchtboothandel. 67,7% der Segelboot- und 76% der Motorboothändler sprechen von gleich guten oder besseren Umsätzen als im Vorjahr. Besonders positiv: Immer mehr Neueinsteiger nutzen die attraktiven Gebrauchtbootpreise, um neu in den Bootssport einzusteigen.
Ausrüstung & Zubehör
Der Trend, die eigene Yacht noch einige Jahre länger als ursprünglich geplant zu nutzen, beflügelt das Ausrüstungsgeschäft. Wenn schon der Neubootkauf aufgeschoben wird, soll wenigstens die vorhandene Yacht besser ausgestattet werden. Da das Durchschnittsalter der Bootseigner steigt und mehr Zeit auf dem eigenen Boot verbracht wird, investieren die Bootseigner vor allem in Ausstattungen, die das Leben an Bord komfortabler und sicherer machen. Nicht selten steht auch ein komplettes Bootsrefit an. Für zusätzliche Nachfrage sorgt zudem das anziehende Gebrauchtbootgeschäft. Entsprechend zufrieden sind Refitwerften und Ausrüster. Satte 95,6% der Unternehmen beurteilen die Geschäftslage gleich gut oder besser als im Vorjahr.
Service & Wartung
Immer mehr Bootseigner wollen ihre knapp bemessene Freizeit nicht damit verbringen, Hand an die eigene Yacht zu legen. Die immer komplexere und kompliziertere Technik an Bord limitiert ohnehin die Do-it-Yourself Bemühungen. Fachleute sollen sich um das gute Stück kümmern und den Eignern zu Saisonbeginn fahrbereit zur Verfügung stellen.
Entsprechend steigt die Auslastung der Servicebetriebe und, damit einhergehend, die Nachfrage nach qualifiziertem technischen Personal. 80,8% (Vorjahr 62,1%) der Unternehmen bewerten die Geschäftslage dementsprechend positiv.
Charter
Auch im Charterbereich berichten die Unternehmen von einer insgesamt stabilen Geschäftslage. Umsatzrückgänge im Bereich der Ostseecharter, verursacht auch durch eine geringere Nachfrage während der Fußballweltmeisterschaft, konnten durch Zuwächse im Auslandsgeschäft ausgeglichen werden. Serviceorientierung zahlt sich in diesem Bereich aus. Für die schönsten Wochen des Jahres erwarten die Kunden außer einem gut gepflegten Schiff beispielsweise auch perfekte Informationen über die Charterregion, die touristischen Highlights und eine rundum sorglos Betreuung vor Ort.
Tauchen
Die instabile politische Lage in der wichtigsten Tauchsportdestination Ägypten belastet die Entwicklung der Branche. Ägypten galt schon immer als Motor für Neueinsteiger in den Tauchsport. Jährlich haben tausende Urlauber dort ihre ersten Erfahrungen im Tauchsport gesammelt, von denen nicht wenige dem Tauchsport über viele Jahre erhalten blieben. Dieser Motor ist ins stottern geraten. Die Zahl der Neueinsteiger sinkt und damit auch die Umsätze der Tauchsportindustrie. Für das Jahr 2014 erwartet der Tauchsport-Industrieverband (tiv) einen Umsatzrückgang von ca. 6%. Dieser Entwicklung will der Verband mit verstärkten Werbeaktivitäten auf der boot 2015 sowie durch verschiedene Tauchevents im kommenden Jahr entgegenwirken.
Ausblick
Insgesamt rechnet die Wassersportbranche für das kommende Jahr mit einer Fortsetzung des positiven Trends auf dem deutschen Markt. Die Unternehmen schauen mit Optimismus auf die zukünftige Entwicklung. 72,2% (Vorjahr: 51,9%) glauben an eine gleich gute oder bessere geschäftliche Entwicklung in den kommenden 2-3 Jahren.
Die konjunkturellen Rahmenbedingungen in Deutschland sind nach wie vor gut, auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung etwas an Dynamik verloren hat. Einer stabilen Binnennachfrage stehen Risiken im Auslandsgeschäft gegenüber. Für die exportorientierten Unternehmen bleibt das Umfeld aufgrund der anhaltenden Schwäche der Mittelmeeranrainerstaaten, die traditionell die wichtigsten Exportmärkte darstellen, schwierig. Insgesamt rechnet die Branche für das kommende Jahr mit einem Umsatzzuwachs von rund 3%.
Köln, November 2014
Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V.
Gunther-Plüschow-Str. 8
50829 Köln
Ansprechpartner: Jürgen Tracht
Tel.: +49 221 59 57 115
Fax: +49 221 59 57 110
mail: <link>tracht@bvww.org
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