Über den Tellerrand geschaut
Die Messesaison in der Wassersportbranche ist in vollem Gange. Zu den bedeutenden Veranstaltungen im europäischen Ausland zählen die in Cannes, Southampton, La Rochelle, Genua und Barcelona im September und Oktober, allesamt mit mehr oder weniger großem Part im Wasser. Wenn im Januar die Düsseldorfer Messehallen ihre Tore öffnen, hat die Saison ihren Höhepunkt erreicht. Eine Zwischenbilanz.
Die Besucherzahlen der bedeutenden ausländischen Herbstmessen hielten sich fast auf oder knapp unter dem Vorjahresniveau. Einzig Genua konnte ein Plus von 16,5 Prozent verbuchen, obwohl man auch in Italien an die guten Jahre vor 2008 noch nicht wieder anknüpfen konnte. Die Branche indes war insgesamt zufrieden. Für die internationale Bedeutung spielt sicherlich auch die leichte Fluganreise zum Schauplatz eine Rolle. In dieser Hinsicht kann Cannes am besten punkten, während Southampton, La Rochelle oder Genua international schlechter angebunden sind.
Mirna Cieniewicz: „Starke Resonanz“.
„Auf allen Veranstaltungen spürten wir bei allen zehn Marken unserer Gruppe eine starke Resonanz“, meldete Mirna Cieniewicz von der Groupe Bénéteau. Großes Interesse, eine gute Besucherfrequenz und auch schon Bestellungen für die nächste Saison bescheinigte Donald Dubois von der Brunswick-Marke Quicksilver allen Veranstaltungen, bei denen seine Marke vertreten war – Cannes, Southampton, La Rochelle und Barcelona. Überaus zufrieden war er mit den Ergebnissen von Genua: „Das ist nach den zähen Vorjahren in Italien wirklich schön zu sehen.“ Nach den Herbstmessen hat Princess (Großbritannien) sein Produktionsvolumen für 2018 bereits zu 90 Prozent ausgelastet, für 2019 bereits zu 30 Prozent“, verkündete Executive Chairman Antony Sheriff. Evo aus Italien, eine noch recht neue Werft, stellte bereits zum zweiten Mal in Cannes, Genua und Barcelona aus. „In Cannes hatten wir gut 25 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr. In Genua lief es deutlich besser, und in Barcelona präsentierten wir unseren spanischen Händler, registrierten aber nur Besucher aus Katalonien“, brachte es der langjährig in der Branche tätige Sales Manager Corrado del Fanti auf den Punkt.
Stefan Klaassen: „Zufrieden“.
Bavaria Yachts war auf allen erwähnten Veranstaltungen dabei, Stefan Klaassen, Head of Sales, resümierte: „Cannes entwickelt sich weiter zu einer internationalen Messe für uns. Die Anzahl deutscher Besucher ist auch in diesem Jahr wieder merklich gestiegen. Zu erwähnen ist, dass unsere deutschen Händler wieder fast komplett vertreten waren und durch einen sehr professionellen Auftritt direkt vor Ort mit unseren deutschen Kunden Geschäfte generieren konnten. Die Southampton Boat Show ist das Aushängeschild in Großbritannien. Zusammen mit unserem Partner Clipper Marine haben wir wieder die gesamte Produktpalette von Bavaria Yachts ausgestellt. Die Southampton Boat Show war auf ganzer Strecke ein großer Erfolg, und wir freuen uns auf ein nachhaltiges Messe-Nachgeschäft. Für die Region Französische Atlantikküste bietet die Messe in La Rochelle eine großartige Plattform, die unsere französischen Händler verstärkt nutzen. Nach wie vor ist die Messe in Genua eine sehr wichtige Messe für uns in einem wieder wachsenden italienischen Markt. Durch die gute Präsenz in diesem Jahr konnten unsere italienischen Partner gute Ergebnisse in Genua verzeichnen. Durch die angespannte politische Situation in Barcelona waren viele Besucher, besonders aus dem Ausland, aber auch von den Bale aren, verunsichert und blieben der Messe fern. Trotzdem sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“
Ein detaillierter Überblick
Cannes Yachting Festival
Die Schau in Cannes, zugleich der Auftakt für den internationalen herbstlichen Messereigen, hat sich mittlerweile zur bedeutendsten Ausstellung am Mittelmeer gemausert. Wer in der Branche Rang und Namen hat, lässt sich einen Besuch rund um den Palast des Filmfestivals nicht entgehen. Die Qualität der Besucher wird von den meisten Ausstellern als äußerst hoch angesehen, auch wenn es stets so um die 50.000 sind – wie zum sechstägigen 40. Cannes Yachting Festival, einer In-Water-Show im Vieux Port mit Zeltbauten an Land und einer Brokerschau mit Superyachten im Port Canto, per Shuttleboot miteinander verbunden. Unter den Besuchern fiel der hohe internationale Anteil auf, die Messeleitung sprach von einer Rückkehr von Asiaten und Russen sowie von neuen Kundenschichten aus Osteuropa.
Von den 528 Ausstellern (Vorjahr: 530) kamen 60 Prozent aus dem Ausland. Sie zeigten mit 600 Booten 30 weniger als im Vorjahr. Die größeren lagen im Wasser, die kleineren an Land. Die Zahl der Segelboote belief sich auf 103 (Vorjahr 120), die der Katamarane erhöhte sich auf 45 gegenüber 43 im Vorjahr. Im Port Canto präsentierten Broker weitere 45 gebrauchte größere Yachten (Vorjahr 40) mit einer Länge zwischen 22 und 65 m. Zusammengefasst: Im großen und ganzen wurde das Vorjahresniveau erreicht. Erstmals ermittelten die Union Française des Métiers de l’Evénement und das Comité Régional du Tourisme Paris Ile-de-France auf Basis einer Messmethode des französischen Ministère de l’Economie Zahlen zum wirtschaftlichen Faktor des Ausstellungsumfeldes: Im Tourismusbereich (Hotels, Restaurants, Verkehrsmittel, Taxis, etc.) wurden 37 Millionen Euro generiert und weitere 21 Millionen Euro für den Aussteller-Service.
Die erste Mittelmeerschau der Messesaison versprüht stets Optimismus seitens der Aussteller, und das Flair der Stadt, seiner zahlreichen Hotels, Restaurants und die gehobene Einkaufsmeile Rue d‘Antibes beflügeln alljährlich die gute Stimmung. Einige Aussteller fühlten sich an die guten Zeiten vor der Finanzkrise 2007 erinnert. Reger Besuch herrschte auf den Booten der größeren und bekannteren Marken. Dafür werden dann die drei Floating Bridges, mit Außenbordern angetriebene Schwimmpontons, kurzzeitig geöffnet. Für den Concours d’Elégance, eine Parade mit eleganten Booten unter 11 m Länge, blieb die Hauptbrücke nahe der Hafenausfahrt für mehrere Stunden geöffnet – und damit für den Besucherrundlauf gesperrt. Termin für das Jahr 2018: 11. bis 18. September.
TheYachtMarket.com Southampton Boat Show
Fast auf Vorjahresniveau bewegen sich die Zahlen der 48. South ampton Boat Show (zehn Tage im September), eine erstmals als TheYachtMarket.com Southampton Boat Show bezeichnete In-Water-Veranstaltung mit Booten auch an Land. Mit 106.000 Besuchern kamen 3.000 weniger als im Vorjahr zur Nummer Eins unter den britischen Bootsausstellungen, auf der 500 Aussteller, darunter 20 Prozent neue, ihr Angebot präsentierten. Mit 600 Booten waren 150 weniger zu sehen als 2016. Wie im Vorjahr lagen 330 davon im Wasser, als größtes eine Princess 30 M. Gut 15.000 Besucher, etwa doppelt so viele wie im Vorjahr, nahmen an Probefahrten und Schnuppertörns teil. Show Director Murray Ellis berichtete: „Einer unserer größten Aussteller sprach von seinem besten Ergebnis, das er je auf einer Ausstellung weltweit erzielt hat.” Für Kiran Haslam von Princess Yachts war es eine Rekordveranstaltung. David Tydeman, CEO von Oyster Yachts, spürte ein um 20 bis 30 Prozent höheres Interesse. Bénéteau hat seine Flotte bereits zum zweiten Mal nur im Wasser gezeigt, Area Sales Manager Matthieu Baillorge war damit zufrieden und erwartet ein gutes Nachmessegeschäft. Galeon war erstmals vertreten, Importeur David O‘Rourke sprach von einem gelungenen Einstieg in den britischen Markt. Gutes Interesse verzeichnete auch John Arnold, UK Sales Manager von Torqeedo für die Elektromotoren, ebenso Sunseeker, dessen Sales Director Sean Robertson von einer erfolgreichen Veranstaltung sprach. Im Vorjahr verbuchte die Werft Aufträge im Wert von 45 Millionen Britischen Pfund. Termin für das Jahr 2018: 14. bis 23. September.
Grand Pavois de La Rochelle
Wie im Vorjahr meldete der Veranstalter des 45. Grand Pavois de La Rochelle im Port des Minimes, einer sechstägigen In-Water-Show Ende September mit Booten auch an Land, 80.000 Besucher, 750 Boote und 800 Aussteller. Damit liegt die Veranstaltung hinsichtlich der Besucherzahlen noch vor der in Cannes und rangiert nach der Dezember-Veranstaltung in Paris auf Platz 2 in Frankreich. Gemeinhin gilt der Grand Pavois de La Rochelle als Schauplatz für Segelyachten, doch auch Motorboote sind dort jedes Jahr zu sehen. Die ersten vier Tage herrschte bestes Wetter, was für eine Veranstaltung im Wasser essentiell ist. Der fünfte Tag fiel ins Wasser, der sechste war durchwachsen. Alles in allem waren die meisten Aussteller zufrieden, teilweise mehr als im Vorjahr. Das lässt sie auf eine gute Saison 2018 hoffen. Es bestand die Möglichkeit zu Probefahrten, die insbesondere von jungen Besuchern genutzt wurde. SteigendesInteresse verzeichneten der Multihull-Bereich und das Angebot für Sportangler. „Viele Aussteller bestätigten gute Geschäfte, die 4.000 Parkplätze reichten an manchen Tagen nicht aus. Die müssen wir im nächsten Jahr erweitern, und manche Aussteller hätten gar gern zwei Tage mehr gehabt“, resümierte Ausstellungspräsident Alain Pochon. Termin für das Jahr 2018: 26. September bis 1. Oktober.
Salone Nautico Genova
Der Salone Nautico Genova, eine kombinierte Hallen- und In-Water-Show an fünf Tagen im September, hatte bereits 2015 nach mageren Jahren wieder an Fahrt aufgenommen. Dieser Trend verstärkte sich 2016 mit einem Besucher-Plus von über neun Prozent und 2017 mit einem weiteren Plus von 16,5 Prozent. Mit 148.228 Besuchern kamen zur 57. Veranstaltung so viele wie an keinen anderen Schauplatz rund um das Mittelmeer. Zu Probefahrten wurde 3.428 Mal (Vorjahr: 2.416) abgelegt. 884 Aussteller (Vorjahr: 800) aus 31 Ländern zeigten in zwei Hafenbecken und an Land 1.100 Boote. „Diese Zahlen reflektieren die Erholung des italienischen Marktes”, verkündete Carla Demaria, Präsidentin des italienischen Branchenverbandes UCINA Confindustria Nautica Italiana. „Gegenüber 2015 hat der Umsatz der italienischen Yachtindustrie 2016 um 17,2 Prozent auf 3,44 Milliarden Euro zugenommen. Der Wind hat sich positiv gedreht, und zahlreiche Aussteller aus dem In- und Ausland waren nach Jahren der Abwesenheit wieder in Genua präsent. In allen Bereichen, vom kleinen Sportboot bis hin zur Superyacht, wurden gute Verkäufe registriert. Auch Zubehör war gut gefragt“, so Demaria. Termin für 2018: stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Salón Náutico de Barcelona
Separatistische Bemühungen, Katalonien von Spaniern zu lösen, überschatteten den 56. Salón Náutico de Barcelona, eine fünftägige In-Water-Veranstaltung im Oktober, mit Zeltbauten an Land, Booten im Wasser und an Land auf den Hafenmolen La Fusta und Espanya im Port Vell. Aussteller registrierten Absagen
von Kunden vor allem aus der Landeshauptstadt Madrid aus Angst vor einer Ausweitung des Konfliktes zur Messezeit. Die blieb glücklicherweise aus, und die Besucherzahlen hielten sich mit 56.000 auf Vorjahresniveau. Mit 275 Ausstellern waren 15 mehr dabei als im Vorjahr, die Ausstellungsflächewuchs um elf Prozent, mit 700 Booten waren 30 mehr zu sehen als im Vorjahr, und es lagen 180 Boote im Wasser (Vorjahr 165). Die starke Beteiligung der Bénéteau-Gruppe stach ins Auge, weniger die über Händler vertretenen beiden großen deutschen Werften. Mathias Ebert, Händler für die Marken Fountaine Pajot, Dufour und Galeon, registrierte einen hohen Anteil an Besuchern aus Frankreich und konnte sogar an niederländische Kunden verkaufen. Der überaus interessante Start-Up-Bereich mit guten Ideen, der im letzten Jahr nur an zwei Tagen geöffnet war, präsentierte sich über den gesamten Veranstaltungszeitraum. „Bei den 120 Neuheiten insgesamt”, so Ausstellungspräsident Luis Conde, „fiel die Vernetzung der Fernsteuerungsmöglichkeiten per App über Smartphones auf. Alles in allem tätigten unsere Aussteller exzellente Geschäfte in einem wieder florierenden Markt.“
Um Details über den spanischen Markt zu erfahren, ist Barcelona immer eine Reise wert. Die Zahl der unter spanischer Flagge in den ersten neun Monaten 2017 neu registrierten Boote – 88 Prozent sind kürzer als acht Meter –, Jet Skis und Schlauchboote inklusive, stieg um 9,23 Prozent auf 4.732. Im Jahr 2007, dem letzten guten vor der Krise, waren es immerhin 10.149. 23. 33 Prozent der 4.732 Boote liegen in Katalonien, 16,48 Prozent auf den Balearen und 16,33 Prozent in Andalusien. Die Zahl der Charterboote nahm sogar um 25 Prozent zu. Termin für 2018: Oktober. Genauere Daten lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.





